Sonntag, Dezember 24, 2006

Sonne um Mitternacht

"Und wäre Christus tausendmal
in Bethlehem geboren,
doch nicht in dir,
du wärest ewiglich verloren."
Aus dem Cherubinischen Wandersmann des Angelus Silesius
So wünsche ich mir selbst ein Heilige Nacht und Frohe Weihnachten.

Sonntag, Dezember 03, 2006

Rosen im Advent

Er wird kommen, das heißt Advent.
Die Sonne, auf die ich warte ist in diesem Jahr noch da. Warm scheint sie in die Fenster. Keine Dunkelheit umgibt mich, von der man Erlösung erhofft.
Aber er wird kommen, es ist Advent. Die Dunkelheit wird kommen und dann singe ich still vor mich hin:
Fern im Osten wird es helle
Bis dahin trinke ich auch bei milden Temperauren Glühwein, schneide mit einem langen ooooh den Stollen an, breche die Scheibe durch und nehme mit der Fingerspitze den Puderzucker vom Teller.
Im Dezember liest man auch die Rosenkataloge und die Neuigkeiten auf dem Sämereienmarkt. Jaja. Man weiß dann schon, welche Neuheiten des Blumenmarktes man im nächsten Jahr nicht verpassen darf. Vor allem aber kann man entscheiden, welche Rose in der Sammlung fehlt.
Für mich gehört die Rose unweigerlich zum Advent und vor allem zu Weihnachten dazu.
Sie ist die Königin der Blume und ein Symbol der Mutter Maria. Ich habe zwei Lieblingsweihnachtslieder: "Es ist ein Ros entsprungen" und "Maria durch ein Dornwald ging", das singe ich mir auch gern selbst vor. Wenn alle Hoffnung erstirbt, entspringt aus Dornen eine Blüte, ein neues Leben. Großartig. In meinem allerersten Gartenjahr war der Winter ebenfalls mild und am Heiligabend blühte eine Rose, eine rote Rose, ich verstand noch nicht so viel von Sorten und hatte noch keine so ausgeprägte Vorliebe für die alten Sorten, also war es eine moderne tiefrote Hybride, die noch am dunkelsten Tag strahlte.
In diesem Jahr habe ich keine Rose, aber unglaublicher Weise blüht im Kasten noch immer eine Betunie und die Kapmargarite in zartem rosa auch.

Montag, November 06, 2006

Wie groß muss ein Schmerz sein, dass man schreit. Wie groß, dass man weint und wie groß, wenn kein Schrei mehr möglich und keine Träne geweint werden kann.
Wie fühlt man sich, wenn man allein gelassen wurde. Wie fühlt man sich, wenn man verlässt und wie, wenn der liebste Mensch einen Verlust nicht fassen kann. Noch gar nicht fassen kann, wie ihm geschieht.

Vater Vater, warum hast Du mich verlassen.

Gibt es je wieder den Moment überaschenden Glücks, Unbeschwertheit. Wie lang werden solche Momente sein. mein armer Sohn.

Dienstag, Oktober 31, 2006

Lauf im Bergischen

Dass es ein schöner Lauf war, ist an anderer Stelle schon geschrieben. Ich bin mit Daniela gelaufen, 21 km weit. Ich war wie immer hocherfreut, dass es so gut passt. Wir reden, laufen, schauen, schweigen, zeigen uns die Schönheiten und laufen mit einem Lächeln ins Ziel.
Während des Laufens kann man auch denken, das ist mir auch diemal passiert. Ich habe über das Grün gedacht und über das Bunt der Bäume, dass es einer der letzten schönen Tage ist, dass der Winter kommt und an den Tag davor.
Ich war am Tag davor in einer katholischen Messe. Das tue ich grundsätzlich gern, auch wenn der Anlass diesmal kein schöner war. Es gab wie gewöhnlich die Abendsmahlfeier. Die Kirche war voll und nachdem Oblaten und Wein verwandelt waren, holten sich alle Anwesenden ihren Teil am Leib des Herren. Nur den Wein gibt es ja hier nur für den Pfarrer. Ich flüsterte Daniela zu, dass bei uns das ganze ein gemeinsames Feiern ist und hier sich alle nur anstellen, das Stück Oblate nehmen und zum Platz zurückgehen. Naja, meinte Daniela, das ist wie am Verpflegungsstand beim Marathon oder eben Volkslauf...
Und hier bin ich wieder beim Röntgenlauf. Ich dachte viel an die, die den ganzen Weg auf sich nehmen und ob die Verpflegungsstelle nicht wirklich irgendwann das Brot des Lebens und den Wein der Verheißung bereithält. Hier iss und sei gestärkt, der Weg ist noch weit, hab Vertrauen und das Ziel wird nahen. Nimm und trink, du wirst die Kraft des Isogetgränks in deinen Adern spüren und nach der Verpflegungsstelle bist du ein neuer Mensch und die neuen Menschen werden den Himmel sehen.
Dann dachte ich wieder an Grün und Bunt und dass ich alles wunderschön finde, dass wir wunderbar laufen und diese felligen Kühe wirklich allerliebst sind.

Donnerstag, Oktober 26, 2006

Samstag, Oktober 21, 2006

Ferien vom Ach

Genau, jetzt mache ich ferien vom Ach. empfohlen wurde diese Art Ferien mal wieder von dem Gärtner. War fast zu erwarten und auch auf die gefahr hin, dass ich en gelangweiltes Gähnen hervorrufe, nenne ich ihn beim Namen: Karl Förster. Der hat ein niedliches Büchlein zusammengestellt, als er noch lebte, freilich.
Es ist schon erstaunlich, es gibt in dem Buch kleine Texte, auch über Weltpolitik. Wie das aber klingt, wenn ein Gärtner sie beschreibt. ich muss es mal kurz schreiben:
"Wir Menschen von heute sterben in der Schneeglöckchenzeit vom nahenden Menschheitsfrühling weg, in dem man an unser Zeitalter zurückdenken wird wie im Mai an den Vorfrühling."

Was will uns der Gärtner sagen? Es geht um eine bessere Zukunft für den Menschen. Das ist immer gut. Es geht um die Widersinnigkeit von Krieg, dem der junge Mensch hingeopfert wird und so die Maiwonnen des Lebens, ja der Welt nicht erleben kann.
Mannoman. In den 50er Jahren glaubte man noch so fest daran, dass alles besser wird, da muss man schon drüber lächeln.
Aber um den Ferien noch das Ach zu nehmen, zitiere ich och was echt gärtnerisches, hier wird die Freude des Gärtners an seiner Arbeit. Es ist auch immer wieder kaum zu glauben, wie schön die Blumen blühen.
" Der züchterische Umgang mit der Pflanze führt uns immer wieder in abenteuerliche Überraschungen. Der Gärtner schafft die wissenschaftlichen Grundlagen für neue Züchtungen und steht dann plötzlich vor Blumen, die wie von Engelshänden geformt scheinen. keine Phantasie kann die Noblesse dieser Geschöpfe vorher ahnen, bei deren Anblick der Züchter oft denkt: Reiche Gott einen kelinen Finger, und er nimmt die ganze Hand."
In diesem Sinne also: Die Welt ist schön, kein Ach soll heute über meine Lippen.

Donnerstag, Oktober 19, 2006

Hochrot

Ich habe eine Freundin, die macht sehr großartige Bilder und manchmal schreibt sie dazu einen Vers, sehr selten, eigentlich fast nie. So selten, dass ich, wenn ich es sehe ein bisschen mit den Augen klimper und Ach sage. Siehe da ein Gedicht und dazu ein schönes Bild.
Als es das letzte mal so war, gab es ein Rilkegedicht, das von dem Herbst, dem Haus und dem Winter, der lang und kalt werden wird. Dabei fiel mir zuallerst die Geschichte von der Grille ein, die den ganzen Tag musiziert,a llen anderen Tieren Freude macht, sogar die emsigen Ameisen sind erfreut und die Arbeit geht leichter von der Hand. Aber dann kommt der Winter und vom Musizieren hat man nun mal kein warmes Nest und dann zieht sie herum und wird überall als Tagedieb verstoßen. Wenn ich mich recht erinnere, wird sie vond er Maus aufgenommen und sie haben dann einen lustigen Winter mit der Musik der Grille und den Vorräten der Maus.

Jedenfalls habe ich beim Lesen des Gedichtes sehnsuchtsvoll auf die eigenen Gedichtbände geschielt und will heute ein kurzes, sehr kurzes zum Besten geben, ein Gedicht einer Frau, die sich selbst ein kaltes Messer in das Herz stieß. Hier kommt es also:

Hochrot

Du innig Rot,
Bis an den Tod
Soll meine Lieb dir gleichen,
Soll nimmer bleichen,
Bis an den Tod,
Du glühend Rot,
Soll sie dir gleichen.

Mittwoch, Oktober 11, 2006

von Fremden und Worten

Ich kann ja nicht immer von Potsdam schreiben. Aber ich kann von einem Spaziergang berichten, der zwangsverordnet wurde und zwar von einem Schlüssel, der sich auf dem Schreibtisch liegend eins ins Fäustchen lachte.
Vor der Tür standen ein Sohn, ein Hund eine Mama mit tiefgefrorenen Köstlichkeiten, die eigentlich schnell den Weg in den Backofen finden sollten. Nun, der Plan wurde aufgegeben und nach minutenlangem geräuschvollem Jammern gab es also den Spaziergang.

Spannend und des Erinnerns würdig ist der Engländer, der uns mit Blick auf schöne russische Holzhäuser nach dem Weg nach Alexandrowka fragte. Ja nun, sagten wir, Sie stehen davor, mehr ist es nicht, eine kleine russische Siedlung mit Apfelbäumen auf weitläufigen Wiesen. Wir fanden das amüsant und an die Frage des Fremden nach dem Neuen Garten schloss sich ein schönes Gespräch, das mein Lieblingsthema anschnitt. Nein, es geht nicht um Blumen. Es geht um Sprache.

Also das Wort Garten war Stein des Anstoßes.
Fidi fiel auf, dass das französische Wort Jardain so viel weicher klingt als Garten und das englische Wort Garden unserem ja nun mal sehr ähnlich ist. Das ist natürlich nicht schwierig. Spannend wird es erst, wenn man dazu den Dialekt unserer Brandenburgischen Heimat nimmt, da heißt das Wort dann nämlich Jarten und sieht dann plötzlich wieder ein bisschen wie das französische Wort aus.
Also verbreite ich hier mal die gesicherte Erkenntnis, dass G und J einander entsprechen und quasi gleichwertig sind. Diese Erkenntnis brauchen wir an spätere Stelle noch mal.
Im Gespräch ging es so weiter, dass wir uns überlegten, also ich voranüberlegte, was einen Garten denn zu einem Garten macht. Das sind nicht die Blumen darin, sondern ein Garten entsteht, in dem man eine Fläche abgrenzt von einer wilden Natur und diese Fläche zum Beispiel mit einer feinen Mauer oder Hecke umgibt. Das ist ein Garten, ein gegen die Wildnis geschützter Raum. Prima.

Wenn man nämlich die Bedeutung der Worte erweitert, offen macht, dann findet man andere Worte, die in den Dunstkreis des geschützten Raumes fallen. Ich schlug das Wort Hort vor. Ein Hort ist einerseits ein Schatz, der sicher aufbewahrt wird und dann ist der Hort der Ort, in dem man die Kinder beaufsichtigen lässt.
Da ist kein G und auch kein J drinn aber ein H und auch ein H ist gleichwertig.

Wir haben also H J G, das ist der Konsonant am Anfang.
Lassen wir mal jetzt noch die Vokal weg, dann ergibt sich allein in europäischer Umgebung:
HoR T ..... G a R Ten ..... J a R Ten ..... J aR Dain ..... Ga R Den

Soweit so gut, mit diesem Wissen, dass die Konsonanten G/J/H –R-T einen geschützten Raum ergeben, schaue ich mich in der Welt um und finde tausende Kilometer weiter weg in der Mongolei ebenfalls einen geschützten Raum gleicher Konsonantenkombination.
Nämlich die Jurte.
Ein Zelt, dass den geschützten Raum ergibt, egal, wo man es aufbaut, die Behausung der mongolischen Nomaden. Ist das nicht grandios. Ich finde das grandios.

Es gibt tausende solcher Wortvergleiche, die zeigen, dass unsere Sprachen weltweit miteinander verwandt sind, wenn wir nur bereit sind, alle Engstirnigkeit aufzugeben und den Worten einfach zuhören. Für heute genug davon, bestimmt fällt mir immer mal wieder ein Beispiel ein, dass mich ähnlich überwältigt und ich hüpfen lässt vor Freude der Erkenntnis, dass sich alle Menschen verständigen können, wenn sie sich nur zuhören.
Ich mag zum Beispiel die Geschichte vom ägyptischen Fellachen. Der Bauer dort. Was tut der vor allem? Der pflügt sein Feld. Er ist sozusagen ein Pflüger, der der einen Pflug nutzt. In meinem Dorf ist das Wort dafür, wenn man es ausspricht: Fluch, kling komisch ist aber so, man flücht (weich) mit dem Fluch(hart). nun selektiere man einfach wieder:
FeLlaCHe und FLuCH -> F-L-CH, toll, Bauern sind überall gleich!

Ach ja, wir fanden noch Trampoline zum Springen und warteten dann doch irgendwann einfach vor der Tür, bis Frank mit dem Schlüssel nach hause kam.

Montag, Oktober 02, 2006

Drei Arten des Verfalls

Es war einmal ein Tag, da hatte ich frei und an diesem Tag war ich in Brandenburg an dem kleinen Park am Theater und am Industriemuseum und dann noch am Dom.
Als mein Besuch in der Stadt beendet war und ich auf dem Rückweg im Auto saß da hatte ich die Idee, über diesen Besuch zu schreiben. Dieser Bericht sollte ein Thema haben Und zwar:
Drei Arten des Verfalls.
Ich beginne von vorn.
Zunächst stand ich am Theater, dort ist die Goethestraße und dort ist Brandenburg so, wie ich es aus meinen Kindertagen in Erinnerung habe. Verfallen. In schlimmem Sinne. Denn die Häuser bröckeln, die Menschen haben einen stumpfen Blick, hier will man nicht wohnen. Es gibt wie überall Lichtblicke, ich sah verwahrloste Rosenbüsche in den Vorgärten längst verlassener sich selbst überlassener Mietshäuser und daneben zartviolette Herbstzeitlose. Ganze Straßenzüge sind verfallen. Das ist Brandenburg.
Danach war ich am Dom. Der wird saniert. Ein massiver Backsteinbau. Im Innern der mittelalterliche Altar, der einst im Zisterzienserkloste zu Lehnin stand. Ich hörte hier schon alte Musik. Aber der Bau ist gefährdet. Die Gassen hier herum sind romantisch. Die Häuser verfallen versteckt hinter prachtvollem Efeu. Das ist Verfall, der uns weich und wehmütig stimmen kann. Man sinniert ein wenig über den Tod und die Vergänglichkeit aller Macht und Größe und findet über einen Kaffee und warmen Streußelkuchen wieder zurück in die eigene Welt. Man träumt da gut. Das ist Brandenburg.
Zuletzt war ich am Industriemuseum. Hier war ich schon mal, als diese Museum noch ein arbeitendes Stahlwerk war, der Siemens-Martins-Ofen war glutheiß, es war laut und die Männer mit Muskeln aus dem eisen, das sie fertigeten, machten einen Probe-Abstich. Das war spannend. Wenn im Stahlwerk der Abstich gemacht wurde, dann war das in meinem Heimatdorf am Himmel zu sehen, denn er war rotgefärbt. Heute arbeitet hier niemand mehr. Darum blicken die Augen der Menschen ind en verfallenen Häusern so stumpf. Brandenburg ist eine Stahlwerkerstadt. Hier am Werk gibt es gar keinen Verfall. Die Fassaden sind sauber abgestrahlt und im Foyer probt eine Theatergruppe eine avantgardistische Vorstellunf vor interessantem Hintergrund. Den letzten Siemns-Martins-Ofen kann man besichtigen und auf dem Gelände stehen Eisenbahnwaggons mit Schrott zu Vernschaulichung dessen, was hier mal war. Das ist Brandenburg.
Soviel Brandenburg an einem Tag. Ich weiß keine Namen für die Arten des Verfalls.

Samstag, September 23, 2006

Jubiläum

Ich bin 33 Jahre alt. Und das hier ist der Vorabend meines ersten Marathons. Ich bin geduscht, die Zehnägel sind sauber gekürzt und es gab einen Berg Nudeln auf einem schönen weißen Wedgwood Teller, danach ein bisschen Schokoladen Mousse.
Am liebsten hätte ich ein Glas Rotwein bei mir stehen, es räsoniert sich noch viel angenehmer mit einem feinen Chianti in einem schönen Glas.
Dieser Abend ist besonders. Ich habe ein Jubiläum, das fiel mir erst vor ein paar Tagen ein.
Vor zwei Jahren lief ich am 24. September meinen allerersten Wettkampf. 10 km bei dem Sparkassen-Marathon in Koblenz. Es war großartig. Ich besaß seit 5 Wochen Laufschuhe und war so verblüfft über meine Kraft. ich war so verblüfft über so viel Atem in meiner Lunge. Und wenn ich stressfrei laufen kann, dann ist das bis heute das allergrößte dabei. 1 mal einatmen, 3 mal austamen, die Arme an der Seite und saubere gleichmäßige Laufbewegung. Frank nennt das Laufmaschine. Es ist ein wunderbares grenzwertiges Gefühl. Lust an der dosierten Kraft.
Damals bin ich noch am Vortag, sozusagen heute 8 km auf Tempo gelaufen, am Rhein entlang um zu sehen, ob ich das wirklich kann: LAUFEN.
Und für morgen bitte ich, das ich etwas von dieser Begeisterung in mir habe. Ich kann das bestimmt, ich bin mir nicht sicher und es ist ein Experiment....aber ich kann das bestimmt, ich muss nur atmen und laufen.
Ja und weil es nun mal ein Jubläum ist, gibt es ein Photo von mir, das allerste Zielfoto von mir.
Das war in Koblenz.

Freitag, September 08, 2006

ein Philosoph mit K

Ich arbeite ja in einer Kundenbetreuung, also telefoniere ich mit ganz vielen Menschen. Manchmal versuche ich mir vorzustellen, wie es wohl wäre, wenn all diese Menschen vor meiner Tür ständen, einer nach dem anderen klopft an und will eine Antwort von mir, bis zu 175 Menschen am Tag stehen vor der Tür, sind nicht immer nett und doch wollen sie zu mir, denn sie brauchen Hilfe oder wollen sich beschweren oder was kaufen oder oder oder.
Zuallererst will ich wissen, wer die Person ist, die da spricht, das will ich ganz genau wissen und so frage ich nach ihrem persönlichen Kennwort. Das sagt meist nichts über den Menschen aus, manchmal aber doch. Ganz oft wissen sie ihr Kennwort nicht, aber das ist nun mal die Parole, ohne die kein Einlass in die heiligen Hallen des Wissens gewährt wird. Ich helfe selbstverständlich hier und da beim Finden des Kennwortes. Meistens frage ich: Wie heißt denn ihre Tochter oder Ihr Sohn?....Ah...ist die Antwort, jetzt weiß ich. Manchmal ist es aber auch viel schwieriger, knifflig garadezu. Dazu ein Beispiel:
Mandy: Ihr Kennwort bitte!
Kunde: Dädalus
Mandy: NEIN, nicht griechisch7humanistisch... aber philosophisch ist es schon.
Kunde: hm..philosophisch, ich komm nicht drauf, haben Sie noch einen Tip für mich.
Mandy: Er war ein Freund Schillers.
Kunde: ein Freund Schillers?...Ja dann Goethe vielleicht?
Mandy: Nein! Aber wenn Ihnen Goethe einfällt, dann gebe ich Ihnen noch den Tip, dass Goethe einmal sagte, dass er den gesuchten nicht lesen braucht, denn Schiller vermittelt ihm all seine Theorien.
Kunde: Hm...ich komm nicht drauf. Noch ein Tip vielleicht...
Mandy: (nun wird es wie im Kreuzworträtsel) erster Buchstabe ist ein K
Kunde: mit K?? ich komm nicht drauf.
Mandy: noch mal K...er kommt aus Königsberg.
Kunde: ein Philosoph aus Königsberg? mit K also... noch was zum K?
Mandy: naja...das ist der mit dem kategorischen Imperativ...wie K eben.
Kunde: Ach! Kant!
Mandy: Ja! Worum geht es denn?
Kunde: Ist das Geld, dass ich überwiesen habe, schon eingegangen?
Mandy: Moment, ich schaue mir mal Ihr Konto an, JA!
Aber eigentlich wollte ich heute noch näher an den Ruinenberg heranführen. Die morgendliche Tour führte dahin. Am Normannischen Turm gab es eine kurze Rast und eine Rast dort oben ist wie ein kliner Urlaub, ein Urlaub in Italien, dort steht sogar eine Feige. Die Früchte sind nicht reif geworden, aber trotzdem, es steht dort eine Feige.

Am Ruinenberg


Mittwoch, September 06, 2006

Montag, September 04, 2006

Hier wohne ich


Das ist das Potsdam, das mir am allernächste ist, hier gehe ich zur Tür hinaus, für einen kurzen Spaziergang, zum Laufen. Nicht ins Büro, dafür müßte ich links abbiegen, für den Sonntagsspaziergang gehe ich nach rechts. Hier werden alte Garnisionsgebäude zu Wohnunggen umgebaut, eingebettet in den alten lennéschen Gartenplan. Noch ist es wilde Baustelle....aber bald ist es wieder da, diese Garnision, das alte Lazarett in einem grünen Park. Hier wohne ich.
Wenn ich daran vorbeigehe, komme ich zum Ruinenberg, der ist auch wild, Wildnis eben, Wie könnte es auch anders sein, denn auf dem Ruinenberg steht eine erschaffene Ruine, eine italienische Illusion für den alten Fritz und Ruinen wirken nur glaubwürdig in einer gepflegten Wildnis. Kalmán liebt dieses Stück Wald, das ist sein Zuhause. Am Wegrand stehen Rosensträucher, abgeblüht mit Hagebuttenpracht.
In diesem Backsteinbau, dieser Kaserne absolvierte noch mein Vater seine Grundausbildung, meine Mutter hat ihn am Tor erwartet als hier noch tiefer Osten war.
Das Gelände, auf dem auch das Haus steht, in dem wir wohnen war von den Russen besetzt, sie haben hier gehaust, alles verkam. Heute staunen hier Touristen auch russische Touristen, die ehemaligen Besetzer eben. Neulich sah ich eine Gruppe, sie schauten das Gelände an, bekamen Erklärungen dazu und ich dachte, wie doch der Welten Lauf ist. Aller Ruhm vergeht . Hier gibt es kein Militär mehr, der Park des Lazaretts ersteht wieder, die Gebäude bekommen Balkone und Menschen werden einziehen in die sonnendurchfluteten Wohnungen.

Sonntag, September 03, 2006

Ach

Ich habe Lust,was zu schreiben.
Ich bin aber gerade etwas melancholisch, das kommt daher, dass ich das gefühl haeb, meine Mühen bleiben fruchtlos. ich laufe und laufe.....um mich dann unter Qualen in das Ziel eines Halbmarathons zu schleppen. Dass ich nicht schneller werde, bekümmert mich nur am Rande, und zwar an dem Rand, an dem auch bemerkt werden muss, dass ich mich nicht mal besser fühle dabei. Es gibt keinen Erfolg zu vermelden. Der km 17 zieht mir die Füße weg und dann bin ich ein Häufchen Elend mit nagenden Selbstzweifeln und sowas mag ich ja dann gar nicht schreiben. Naja, ein bisschen schon.
Ich bin also melancholisch, so melancholisch über die unglaublichen Erfolge, die andere verbuchen können, dass ich zu Gedichtbänden gegriffen habe, die mich auf jeden Fall in dieser Stimmung bestätigen werden. das Leben ist nur schön, mit einer Rosenblüte in der Hand.....und weh und schön, wenn sie auf ein Grab geworfen wird. Das führte mich ohne Umwege zu Karoline von Günderode. Hier fand ich ein Gedicht, dass uns alle, die wir schreiben und wirken wollen irgendwie betrifft.

Tendenz des Künstlers

Sage! was treibt doch den Künstler, sein Ideal aus dem Lande
Der Ideen zu ziehn, und es dem Stoff zu vertraun?
Schöner wird ihm sein Bilden gelingen im Reich der Gedanken,
Wäre es flüchtiger zwar, dennoch auch freier dafür,
Und sein Eigenthum mehr, und nicht dem Stoff unterthänig.

Frager! der du so fragst, du verstehst nicht des Geistes Beginnen,
Siehst nicht was er erstrebt, nicht was der Künstler ersehnt.
Alle! sie wollen unsterbliches thun, die sterblichen Menschen.
Leben im Himmel die Frommen, in guten Thaten die Guten,
Bleibend will sein der Künstler im Reiche der Schönheit,
Darum in dauernder Form stellt den Gedanken er dar.

Später mehr

Montag, August 28, 2006

El Pardo

Gerade habe ich mir die Bilder angesehen, die in Madrid und El Pardo entstanden. El Pardo ist ein Landsitz, ein Schloß nahe Madrid. Dort residierte Franko und es ist schön dort. Es ist so eine Art Potsdam bei Berlin. Nein, es ist viel kleiner, es ist ein Platz mit Menschen und ein Park und das Schloß. Es gab sehr gute Patatas Bravas und Sonne auf Pinienhainen. Jetzt, wo der Sommer vergeht, lugen die Frühlingsbilder wieder hervor und erzählen von schönen Tagen im Mai.
Ein Schloß
Ein Platz mit vielen Menschen
Ein Pinienhain

Samstag, August 26, 2006

Dill

Die Bücher der Sackville-West enthalten ihre Kolumnen über Gartengestaltung. Es handelt sich also um kurze Beschreibungen von Pflanzen und die Möglichkeit, sie effektvollin Gärten einzusetzen. Natürlich bestätigte sich meine Erwartung an ihre Meinung über Rosen. Die Sätze, die sie über den Umgang mit der mal stillen, mal sehr divahaften Queen schreibt, lesen sich gut und machen Freude. Wer schon mal im Juni und Juli schwalbenumschwirrt eine Rose schnitt, kann doch wirklich kaum anderes empfinden als diesen Satz:
"An einem Sommerabend tote Rosenköpfe zu entfernen, ist eine Beschäftigung, die uns in ein ruhiges Zeitalter und in ein anders Jahrhundert zurückführt...."
Wie gesagt, dass ich dort verstanden werde, überascht mich nicht. Aber folgender Satz liess mich innerlich Luftsprünge machen. Ja ja...das denke ich auch, ich habe s auch so gemacht und das will ich gleich allen erzählen, folgender Satz also trägt Schuld am heutigen Beitrag:
"Darf ich ein gutes Wort für Dill einlegen? Ich finde Dill sehr schön, vor allem vielleicht im Haus, wo er aussieht wie feine goldene Spitzen, wie Federn zwischen den flachen Köpfen der Schafgarbe..."
Und was soll ich sagen, in diesem Jahr habe ich den Dill gemischt mit Sommerblumen in den Balkonkasten gesetzt. Dass sich das gut machen würde und diese zartgrüne Wolke mit wirklich sehr goldenen Blüten den Kapmargariten und selbst den Betunien meiner Oma guttun würden, war mir klar...so irgendwie, denn mein allererstes Gartenjahr brachte mir derzeit unglaublichen Erfolg mit einer Mischung aus Senf, der sehr gelb ist, Ringeblumen, Kapuzinerkresse und Kürbis. Alles in allem war es eine Feuermischung und damals wünschte ich, ich hätte den Dill für die Frische dazugetan. Ich wünschte mir noch mehr, war aber vor allem begeistert, wie zuversichtlich all diese einjahrigen blühten und ein sommerliches Feuerwerk veranstalteten.
Also pflanzt Dill ihr lieben Leute und werdet glücklich.

Mittwoch, August 23, 2006

Vita Sackville-West

" Der wahre Gärtner muß voller Phantasie an die Zukunft denken"

Selbstverständlich sind das Worte einer Gärtnerin, einer englischen Gärtnerin sogar, die den Anfang des 19. Jahrhunderts mit Rosen, Lavendel, Gräsern und Sträucher und ach noch viel mehr verzauberte.
Ich komme darauf, weil ich in der Stadt war und dort in einem Buchladen, der eben auch Gartenbücher führt. Und da lag es dann, nein da lagen sie, die ersten deutschen Ausgaben von Sackville-West-Gartenbüchern. Denn sie hat auch über Gärten gedacht und das dann aufgeschrieben. Vor allem über kleine Gärten in der Stadt und in den Vororten. Sie ist eine Künstlerin.
Gekauft habe ich alle beide Bücher, für mich und ein bisschen für Daniela, denn ich möchte gern ihren Garten denken. Und wenn er gedacht ist, dann möchte ich, dass gepflanzt wird und wenn alles so wird wie geplant....dann wird danach geblüht.
Es gibt einen schönen Spruch eines berühmten Potsdamer Gärtners, Karl Förster nämlich, der geht so: Es wird durchgeblüht! Dieses Konzept hat er in seinem Garten angewandt, kein Tag des Jahres verging dort ohne eine Blüte. Er war ein guter Mensch und ich kenne den Ersatzenkel von ihm und aß schon mit seiner Tochter Nudeln unter den großen Linden im Garten.
Aber die Vita Sackville-West ist die Freude des heutigen Tages. Mein Sommergarten und Mein Frühlingsgarten liegen neben mir und ich blättre sanft in den Seiten der Bücher. Ich wäre gern Gärtnerin. Was in aller Welt hielt mich davon ab, Gärtner zu werden. Ich glaube es war Eitelkeit. Ich komme aus einer Gärtnerfamilie und wollte weg von Obstgehölzen und Blumenkohl, rein in die Bibliothek, in die Theater, alte Sprachen lerenen und so weiter. Aber der Garten holt mich ein, immer wieder und eines Tages werde ich wieder Erde in den Händen haben und Pferdemist zärtlich um Rosenstämme drappieren.
Ich bin stolz auf das, was ich gärnerisch kann, mir fehlt die Erfahrung im Umgang mit den Pflanzen, die es auf de dürren Böden Brandenburgs schwer haben, aber ich glaube, dass ich Garten und Wiesen und Häuser zusammenfügen kann. Darum gibt es heute alte Fotos von mir, die sind in meinem Garten entstanden im Jahre 2004.
Ich kann dieses Fühlen, diese Dankbarkeit gegenüber den Pflanzen, die uns Freude schenken so gut nachvollziehen. Ich erinnere mich oft an einen Tag im Juni, ich lief schon, lief durch die Felder auf ein kleines Waldstück zu, dort bog ich ab und ein "Ach" entrang sich meiner Brust (ja so muss ich es sagen), denn dort wiegten sich allerliebste Margaritten im Wind, die dort sicher mit Gartenabfällen hingelangten. Es war ein so überraschender Anblick, diese weißen Blüten zu sehen vor den Kiefern und Findlingen, es war schön. Wenn man es schafft, diese Zufälligkeit im Garten zu gestalten und auch zu erhalten, ja ich glaube, dann kann man schon was. Ein Ensemble von Pflanzen schaffen, dass jeder Blüte ihren Platz schafft und im ganzen ebenfalls schön ist....

Mittwoch, August 16, 2006

Eis im Westen und Frösche im Osten

Am Wochenende war ich auf einer Kirmes, auf einer großen Kirmes im Westen, der Cranger Kirmes. ich habe gestaunt wie ein kleines Mädchen.
Denn ich komme aus dem Märkischen Brandenburg. Hier heißt die Kirmes Rummel und aller Glanz ist erstickt. Was bleibt, sind leere Karoussels und verbrannte Bratwurst für teuer Geld. Ich glaube, das hat nur bedingt damit etwas zu tun, dass die Kirmes, im Osten ist, ich glaube eher, dass die Tradition ausgelassener Volksfeste schlicht und ergreifend keineTradition hat. Rummel werden auf eher ebgelegene Wiesen oder Schotterpisten geschoben. Die Karoussels und Losbuden stehen lieblos aufgebaut da und versprechen irgendwie nichts. Hier geht man eben arbeiten, die dürre Scholle ruft, will gegrubbert und gegossen werden, asketisches streng lutherisches schmuckloseses Leben. So wie unsere Kirchen allen Schmuckes beraubt sind und nur durch die Architektur wirkt, das klare ungebrochene Licht ermahnt zu moralischem Lebenswandel...
Nun, also die Kirmes im Westen...die war großartig, es roch gut, es war bunt und laut.
Und die Menschen strömten da hin. Ich aß Kirmeseis und gebrannte Mandeln. Bei einer Apfelschorle an der Hamburger Fischkate brachte unser lieber Hund ein Gespräch mit dem Schausteller der Fischbude zustande. Treudoof gucken zaubert einem manchmal sogar Fischfrikadellen direkt in das hungrige Maul. Ich mag solche Begegnungen, die einen ganz kurz am Leben dieses wandernden Volkes teilnehmen lassen. Es ging um die Planung der Weihnachtsmärkte und die Entscheidungen, die zu treffen sind. Soll er lieber nach Berlin gehen, auf den ganz neuen Markt am Schloss Charlottenburg oder lieber in Leverkusen bleiben, da weiß er, was er hat und die Standmiete in Berlin ist hoch, es ist ein Risiko.
Ja und danach fuhren wir heim.
Unterwegs fiel mir ein, dass ich schon lange ein bisschen was schreiben wollte über Rummel in Berlin. Über das Deutsch-Französiche Volksfest, wo es Froschschenkel gab. Die habe ich fotografiert aber nicht gegessen.
Warum ist wohl Froschschenkel eine Delikatesse in Frankreich oder auch in den Po-Ebenen Italiens?
Ich glaube ja, dass es genau wie Flusskrebse in die Kategorie "Essen der Armen auf den Tischen der Reichen" gehört. Denn höchstwahrscheinlich waren die Frösche einfach eine Plage, zumindest in der besagten Po-Ebene, wo sie in Massen in den Reisfeldern lebten. Hier bei uns waren die Flußkrebse früher einfach Beifang, das was übrigblieb für die armen Fischer, und dann wurden sie berühmt und dann selten und dann eine Delikatesse. So stelle ich mir das mit den Fröschen vor. Die Bauern hatten nichts anderes zu essen als diese verdammten Frösche aus den Sümpfen und dann machte vielleicht irgend so ein Comte einen auf Einfaches Leben und ließ die Viecher seinen noblen Gästen servieren, die, angetan von dem Essen einen Kult draus bauten.
Nun, hier die Pfannen mit den Fröschen.

Sonntag, August 13, 2006

Course des Templiers

Ich bin eine Entdeckerin.
Ich habe etwas entdeckt.
Ich habe eine großartige Laufveranstaltung entdeckt und ich freu mich und bin etwas hibbelig, weil ich dort einmal laufen werde. Es dauert noch etwas, aber das macht nichts.
Der Lauf wird in Frankreich sein und er führt in einem Kurs durch die Wildnis und kleinen Dörfer des Cevennen-Gebirges. Natürlich wähle ich den Luschikurs von 18 km und himmle diejenigen an, die die harten 66 km unter den Füßen haben werden. Aber das macht nichts.
Der Lauf heißt Course des Templiers. Und neben Schauen und Staunen kann ich alle Literatur, die ich in meiner Leselaufbahn zum Thema Templer eingesogen habe, Revue passieren lassen. Das wird sicher großartig.
Ich erinnere mich an ein großartiges Buch, in dem der Weg Parsivals mit jedem Waldsteig nachgezeichnet wurde, an ein Buch über die Geschichte der Katharer, die eng mit den Templern in Verbindung gebracht wurden, die als Ketzer verschrieenen Katharer in den Vorgebirgen der Pyräneen. Ich erinnere mich, dass ich schon immer mal nach Montpellier wollte und die Wege von dort aus nachgehen und nun....hat das schöne Südfrankreich längst dafür gesorgt, hat einen Vorwand geschaffen, mich endlich dorthin zu holen, einen Lauf mit dem vielversprechenden Namen Course des Templiers.
Ich bin eine Entdeckerin.

Montag, Juli 10, 2006

um den Verstand gebracht


Ein Buffet ist etwas großartiges. Einereseits hat der Koch die Möglichkeit, sein Können vielfältig zu präsentieren und die Gäste beruhigt zu fortgeschrittener Stunde die Aussicht auf reichlich gefüllte Teller.
Wenn dann alle wohlig bis beinah unwohlig satt sind und vielleicht nicht mal glauben können, jemals wieder so gut essen zu werden, dann ist der richtige Zeitpunkt für das Sahnehäubchen, die große Überraschung, die Aufsehen an den Tischen erweckt und alle Vernunft in einem großen Mhhhm ertrinken lässt.
Auf unserer Feier gab es dieses Sahnehäubchen und brachte einige um den Verstand. Es war der Schokoladenkuchen, der die Geschmacks-nerven gleichzeitig euphorisierte und beruhigte, so wie es eben nur Schokolade kann und einfach so gut war, dass er über die ihm natürlich innewohnende Schwere, ja Massigkeit hinwegtäuschte.
Und hier ist ein Stück davon, vor dem Verzehr noch fotodokumentarisch festgehalten

.

Wie die Zeit vergeht

Sie vergeht schnell.
Ich glaube, ich habe das schnellste Jahr meines Lebens gelebt.
Vor einem Jahr begann ich, meinen Körper zu heilen, was folgte, war das schöne Erlebnis, laufen zu können ohne Schmerzen in den Beinen. Es folgte auch ein großer Schrei, ganz laut allem entgegen, was ich bisher lebte, ein lautes deutliches NEIN und dann kamen die Konsequenzen und Entscheidungen, die leicht aber doch nicht leichtfertig einander die Klinke in die Hand gaben.
So und nun?
Ich habe einen Mann, habe Frank an meiner Seite, habe ein großes schönes Fest mit ihm gefeiert, ein Fest mit Familie und Freunden. Es war feierlich, sehr bewegend. Es haben so viele Menschen Anteil an uns genommen, sich mit uns gefreut. Die standesamtliche Hochzeit fand ja in einem kleinen Saal eines brandenburgischen Lustschlosses in allerengstem Kreis statt und es war die freudige anrührende Feier, die ich mir gewünscht hatte. Dann gab es noch die kirchliche Zeremonie, an der dann alle teilnehmen konnten und das war auch das, was ich dachte, als wir die Kirche betraten: Es sind ja alle da, wie schön, es sind alle da. Ja und dann wurde gesungen, mein Lieblingslied gesungen und es kam die Frage der Frage, ich fand dann doch schnell (ja die Zeit vergeht schnell) und der Segen und der Auszug aus der Kirche. Dann kamen die Glückwünsche von allen lieben Menschen. Es war schön.
Und so, wie es in den Glückwünschen meiner lieben Leser und aller Freunde und Bekannten oft gesagt wurde, wird es wohl sein: Dieser Tag war ein schöner Tag und die Erinnerung an ihn kann Anker sein, wenn die Dinge und das Leben mal schwierig werden. Noch sieht es nicht so aus, aber das Schicksal ist unberechenbar.
Ich jedenfalls bin glücklich und fühle mich gut.

Sonntag, Juli 02, 2006

Mittwoch, Mai 10, 2006

Die Höhle der Schwimmer

Obwohl draußen die Sonne scheint, bin ich hier drinnen und sehe einen Film. Ich sehe einen Film, den ich schon kenne, "Der englische Patient". Parallel lese ich das Buch, das sich aber vom Handlungsverlauf her gar nicht parallel lesen läßt. Aber wenn man die Personen im Buch näher kennengelernt hat, dann weiß man soviel über sie und der Film erzählt noch 1000 Geschichten mehr als ohne dies.
Ich liebe diesen Film, schon weil man die Wüste sieht und Männer und Frauen, die gut gekleidet sind und weil er so voller unerbittlichem Schicksal steckt. Von aller Liebe und aller Schönheit, den Erlebnissen in der Wüste Lybiens und der Suche nach der sagenumwobenen Oase Zazura blieb nichts als ein verbrannter Mann.
Diese Seite habe ich zu den wahren Hintergründen des Buches und zu dem Phänomen lybische Wüste gefunden. Sicher gibt es noch mehr aber ich schaue jetzt erstmal weiter.
...Und nun hat der Graf Almasy die Höhle der Schwimmer gefunden, davor ertönt der Ruf Allah al Aquba, der die Mohamedaner zum Gebet ruft. Das erinnert mich an meine Reise nach Ägypten vor einigen Jahren. Ich mochte das Rufen sehr, das die Menschen daran erinnerte, dass sie einer Gemeinschaft angehören und diese Gemeinschaft im Himmel einen Verbündeten hat, einen Beschützer, so wie die Kirchenglocken zur Vesperzeit eben auch hier.
Die Höhle der Schwimmer....die Wüste war ein großes Meer und statt der Schiffe fahren Kamele in Karavanen darin umher und suchen nach den Resten des Wassers, den Oasen, den Gärten der Wüste. Mich beeindruckt das alles. Und der Anlass all der Suche ist ein Buch, geschrieben vor 2500 Jahren. Das ist doch spannend oder.
Im Film ist nun der große Sandsturm, der die Autos der Expedition begräbt und während des Sturms erzählt Almasy die Geschichten der Winde.
"Es gibt einen Wirbelsturm in Südmarokko, den aajej, vor dem sich die Fellachen mit Messern schützen. Es gibt den africo, der zuzeiten bis in die Stadt Rom vorgedrungen ist...Nächtliche Staubstürme, die mit der Kälte kommen....Es gibt auch den *...*, den geheimen Wüstenwind, dessen Name von einem König getilgt wurde, als sein Sohn darin umkam..."
Mir scheint es kein Wunder, dass die Araber 1001 Geschichte in einem Buch zusammenfassen, es ist nur ein geringer Bruchteil der Geschichten, die in ihnen schlummern und erzählt und erzählt werden.
Graf Almasy liebt Kathrin aber sie ist verheiratet.

Sonntag, Mai 07, 2006

aus der Tagespresse

In Madrid soll man die Nacht durchtanzen habe ich gerade gelesen und wenn man dann noch gehen kann, macht man sich auf den Weg zur besten Currhos-Bar der Stadt, der St. Gines.
Ich war in dieser Bar. Jawohl. Mit Frank und Fidi und Steffen aber nur, weil wir sie zufällig entdeckt haben auf dem Weg zu einer anderen Tapasbar, die an diesem Abend aber sehr enttäuschte. Dort also in St. Gines schmecken Currhos und dazu eine Tasse dicker Schokolade. Es war das allerleckerste, was ich in Madrid in meinen Mund schob. Dass wir die Bar zufällig entdeckten, macht die Sache noch schöner, man fühlt sich ja immer wohl dabei, nicht nur auf den Spuren des Reiseführers getappelt zu sein. Wenn man dann bei einem gemütlichen Sonntagsfrühstück von dem Ort liest, der einem Freude bereitet hat, dann kribbelt das ein bißchen im Bauch. Auch das Foto mit der fliesengeschmückten Bar weckt Erinnerungen an Cafe solo, den man mit einer Pobacke auf dem Barhocker sitzend geschlürft hat. Das alles ist erst eine Woche her.
Auch der Plaza Cibiles und der Plaza Major wird beschrieben, die große Gran Via, die mir da Gefühl gibt, in New York zu sein, wo ich noch nie war, fand in dem Artikel keine Erwähnung, wohl aber das Viertel dahinter mit den Bars und Discotheken.
Noch niemals vorher habe ich eine Stadt so intensiv abends oder in der Nacht erlebt, bisher war ich immer müde und erschöpft von den kulturellen Museumstouren des Tages, die natürlich auch schön sind. Aber so war es auch interessant. Überhaupt war ich erstmals in einer europäischen Metropole ohne intensive Vorbereitung. Und so war ich überrascht, an jeder Ecke überrascht. Ich weiß noch, wie wir aus dem Hotel gingen, irgendwie durch die Gassen durch und dann die Oper sahen, da liefen wir hin und weil das Gebäude nicht soviel zu bieten hat, daran vorbei und dann eben ganz plötzlich und unerwartet öffnete sich der Blick auf den Plaza Oriente. Es haben nur meine Augen geschaut, kein vorbelasteter Verstand hat sich dazwischengemischt und der Platz, an dem sich der Palacio Real vor einem aufbaut, ist schön, fein, mit geschnittenen Buchsbäumen, ein Rondell umgeben von den alten Königen in Stein. Wir überquerten den Plaz und schauten vom Palacio bis zu den Bergen und dem Castilien, in dem die Sonne brennt.
Ich danke also der Zeitung für die Zusammenfassung der Eindrücke.

Freitag, Mai 05, 2006

Letter

Wie kommt man eigentlich dazu, sich für eine Schriftgröße zu entscheiden? Nun, ich würde instinktiv die kleinste gut lesbare Schriftgröße wählen, ich habe nämlich ein wenig bange, dass alles etwas protzig wird, wenn man die Worte in großen Lettern auf den Bildschirm zaubert. Nun habe ich bisher aber nicht die kleinste gut lesbare Schriftgröße gewählt, sondern eben die kleinste, tiny nennt sich diese und das klang meines Erachtens so niedlich und passend für die Dinge, die aus meinem Kopf durch die Tasten hier lesbar werden wollen. Ich habe das geändert und hoffe nun, allen hochgeschätzten Gästen meiner Seite kein Liderzucken mehr zu bereiten.

Donnerstag, Mai 04, 2006

Madrid

Es ist immer eine Freude, einen Vizsla zu sehen. Der leichte Gang, der wache Blick das weiche goldene Fell, alles an den Tieren ist schön. Auch in Madrid macht das Freude, ich weiß das, denn ich bin einem begegnet, am Eingang des Parque de Retiro kam er mir entgegen, freilaufend, eine alte Dame begleitete ihn. Es war ein alter Nobles, im Gesicht schon weiß und doch noch immer mit dem verspielten neugieriegen Blick des Vizslas, den ich von Kalman kenne.
Madrilen
Es ist Sonntag Mittag am letzten Aprilwochenende und ich bin hier, weil ich auf Frank warte, der hier den Marathon läuft. Gleich muß er kommen und dann sind es nur noch 800 oder 900 meter bis zum Ziel. Und hinter dem Ziel, da ist der Rosengarten, unser Treffpunkt.
Ich finde, Madrid ist groß, alles ist groß. Der Palast, die Plätze, die breiten Straßen, alles zeigt, dass hier Macht konzentriert war und ein großes Stück Welt von hier aus regiert wurde.
Die Stadt macht es mir nicht leicht, mich heimisch zu fühlen, sicher auch, weil ich kein Spanisch spreche.
Plaza St. Ana
Am besten gefällt mir der Plaza St. Ana mit der Statue des Lope de Vega, von dem ich vor langer Zeit ein geniales Stück Theater sah auf der kleinen Lehininer Bühne. Auf dem Plaza de Major fühlt man sich ein wenig wie auf dem Piazza Navona in Rom, es ist eben südländisch, ein schön umbauter Platz.
Wir haben uns die Stadt erlaufen und nach 4 Tagen habe ich das Gefühl, alles gesehen zu haben. Die Stadt hat viele Geschichten erzählt und mal sehen, welche wieder ans Licht wollen...so nach und nach eben.
Eines weiß ich aber schon. Am besten geschmeckt haben mir die Patatas Bravas, ein so einfaches Gericht, dass es in den einfachsten Bars am besten ist. Und dort, wo auch die Spanier gern sind, gefällt mir die Stadt am besten, doch nie so sehr, dass ich bleiben möchte.

Rosaelda

Ein Rosengarten ist immer eine Reise wert und auch einen kleinen Fußmarsch durch den Retiro-Park in Madrid. Anfang Mai blühen dort schon Rosen, nicht alle aber doch genug, um einen Eindruck von der Anlage des Gartens zu bekommen. Er ist klassisch im Rondell angelegt und zeigt viele Edelrosen aber auch alte Rosen sind dabei und so duftet es eben auch. Schade fand ich, dass es keine Schilder mit den Namen der Rosen gibt, so sieht man dann nur was man kennt. Fast nur....auf dem Foto gibt es eine magentafarbene Kletterrose, die fast stachellos ist und einen schweren Duft verbreitet.
Sie war für mich die Diva des Tages, namenlos und schön.

Donnerstag, April 27, 2006

Mittwoch, April 26, 2006

Marianne

Manchmal fotografiere ich auch, ich habe keine Ahnung davon, besitze aber meine Lieblingskamera, eine Canon AE1, eine manuell zu bedienende Kamera, naja, man kann sowohl Blende als auch Belichtungszeit auf Automatic stellen, aber das war es auch. Vor knapp 2 Jahren habe ich mal einen Grundkurs besucht, in dem erklärt wurde, wie Belichtung und Belichtungszeit zusammenhängt, für mehr blieb keine Zeit, ich laufe eben.
Ich habe Lieblingsbilder und eines davon ist die junge Dame, die vor dem neuen Palais in Potsdam steht mit dem Füllhorn und dem Äskulapstab, ich weiß nicht, wer sie ist, aber sie scheint Wohlstand und Heilung zu verbreiten und ich finde, mit dem Namen Marianne ist sie relativ gut bedient. Ja und dann sieht man noch meine Kamera vor meinem Gesicht, das Bild mag ich auch.

Dienstag, April 25, 2006

manchmal ist es anders

...aber auch schön.
Heute bin ich icht im 6 Minten-Schnitt an all den kleinen weißen Sternchen vorbeigelaufen und hab sie noch mal so recht mit Andacht angeschaut und huch, es sind keine Waldmeister-Blüten sondern Buschwindröschen. Auch das ist schön, sogar noch viel schöner, denn die kleinen Röschen flattern unschuldig im Wind und verursachen nur reine Gedanken, kein Mord an Getier haben sie im Gedankenschlepptau....das gefällt mir gut für diesen Tag.

Montag, April 24, 2006

am Wegrand

Ich liebe Blumen.
Das tue ich selbstverständlich nicht allein aber ich glaube, dass ich sie besonders liebe.
Und zwar liebe ich die Blumen am Wegrand, die, die mich begleiten. Im Neuen Garten ist es jetzt gerade der Waldmeister, der blüht weiß und bedeckt den Boden. Er ist so niedlich und beinah möchte ich Hundi aus dem Gebüsch zurückrufen, denn das hat er nicht verdient, besudelt zu werden. Und außerdem habe ich die komische Angewohnheit, auch bei Dingen die schön finde, gleich mögliche Gaumenfreuden mitzudenken. Also denke ich hier an Maibowle, Waldmeisterbrause und Kuchen. Das geht mir nicht nur bei den kleinen Blümchen so, auch der Anblick am Himmel schwebender Wildenten lässt mich fast den Backofen vorheizen. Der Duft von Rotkohl hängt mir in der Nase und ich denke daran, dass man Wildenten nicht füllen soll. Aber mit Rotwein kann man die Sauce ja doch abschmecken und vielleicht lieber Kaiserinkartoffeln bereiten. Nun ja also die Blumen.Im Moment blühen noch die Blausternchen und der Wald duftet nach Bärlauch, mein Herz hüpft dabei jedenfalls. Ich mag Blumen auch auf Gemälden, alten Bildern, mit üppigen Rosen und Tulpen in einem Gesteck und ich mag zarte Blüten getrocknet und in einen Bilderrahmen mit Paspartue gepackt und auch auf Fotos, wenn sie gut sind. Und ich mag Blumen auf Delfter Vasen, sie sind nun stilisiert, meist sind es Pfingstrosen, nehme ich an, sie sind eben sehr blumenhaft und das zaubert mir nichts dir nichts den Gedanken an die Urblume in meinen Kopf. Also, wenn man Blumen malen kann, die es so nicht gibt, diese aber als Blumen zu erkennen sind, dann gibt es so was wie ein Urabbild einer Blume. Tulpen in Delfter Vasen können ein Schlüsselerlebnis sein über Schönheit wie die durchwachsene Rose, die Goethe auf Sizilien sah.

Donnerstag, April 20, 2006

das Erste


Eigentlich würde ich gern mehr schreiben, ich denke doch auch so viel vor mich hin, das könnte ich doch auch aufschreiben, hier und da zumindest, zu meiner eigenen Erbauung und zur Erinnerung daran, dass es eine Zeit vor dem Heute gab. Das finde ich schon sehr beeindruckend. Wer garantiert uns, dass es gestern gab??? Als ich noch jung war, jaja jung, da besuchte ich Vorträge und einer dieser Vorträge hatte den spannenden Titel: Gibt es ein Leben vor dem Tod? Ja das wollte ich damals gern wissen. Aber worüber eigéntlich referiert wurde, weiß ich nicht mehr. Alles hat sich geändert.