Wie immer, wenn wir in Verona sind, parkten wir in der Nähe der Kirche St. Zeno noch vor den Stadtmauern. Es ist einfach mein geliebter Auftakt zu der Stadt. Eine romanische Kirche, die schlank und hoch wirkt mit wunderhübschem Kreuzgang, den ich nun erstmals im Frühling sah.
Ganz Norditalien sah ich erstmals im Frühling, es ist grün und es blüht. Es blüht alles zusammen - Rosen, Flieder, Butterblumen, Obstbäume, Mohn, Raps. Alles verschwendet sich in den Wochen vor der großen Sommerdürre.
In St. Zeno haben wir viele Kerzen angezündet, vor jedem Heiligen eine. Vincent liebt Kerzenlicht und dem Schutz des Himmels j´kann man seine Kinder ja auch nie genug anheimgeben.
Obwohl nun schon 10 Jahre seit dem letzten Besuch vergangen waren, kannten die Füße den Weg, der von der Kirche zur Adige führt. Die Adige fließt wild und schnell an der Stadt vorbei.
An der Festung geht es dann einmal links herum, gleich wieder rechts, dann geradeaus und schon steht man auf dem platz mit der Arena von Verona. Und noch etwas ist schön im Frühling: es gibt keine Warteschlangen an der Kasse und der Eintritt ist unglaublich billig. Wir maßen also die Höhe der Stufen und die größe der Arena mit unseren Schritten. Ohne Menschen wirkt die Arena klein, nur der Mensch als Maß macht die Größe des Baus sichtbar. Für die sommerlichen Aufführungen der Aida wurde schon die Bühne gezimmert.
Erstmals beguckt haben wir das Haus der Julia. Der Innenhof, in dem Romeo die Liebe schwor war übervoll mit lärmenden Mädchen, ganz sicher kann so niemand eine Nachtigall von einer Lerche unterscheiden. Im Hoftor ist die ganze Wand beschreiben mit den Liebeschwürden pupertierender Mädchen und nebenan gibt es kleine Lädchen, in denen sie iherem Gefühlsüberschwang mit dem Kauf bestickter Herzchen Luft machen können.
Dann wieder etwas Altertum und Stadttreiben.
Vincent ist anders, anders als sein Bruder, der etwa gleichalt war, als er von seinen Eltern die erste Lektion in römischer Baukunst erhielt. Vincent will nicht so lange im Wagen geschoben werden, er will lieber am Brunnen spielen, er will lieber auf die Straßen laufen, Mofas anfassen. Friedrich war doch eher ruhig anschauend, fand Ruhe, auch mal zu schlafen. Ich glaube, so viel Stadtbesichtigung wird es mit dem Wirbelvincent nicht geben. Ich war jedenfalls geschafft hinterher und habe mir dann in Ruhe auf den Fotos angesehen, wo wir überall waren. Aber schön war es doch, mal wieder in Verona gewesen zu sein.