Freitag, Juni 26, 2009

Nacht nicht zu Ende

Es gibt Abende, Nächte, da sind die Geheimnisse des Lebens, die Unruhe, Mensch zu sein und zu ahnen, dass das sowohl alles bedeutet als auch nichts, dass alles von einem Gott abhängt, der die Welt auch gewaltiger und noch viel fordernder hätte machen können und doch gnädig ist, so bestimmend und eine Unruhe in Bauch und Brust verursachend, dass die Nacht beinah durchwacht werden muss. Das Buch, in dem Gefühlsstürme durch Einsichten gemildert wurden ist ausgelesen und bei Seite gelegt und die Wachheit bleibt. Das Kind neben einem schläft einen unruhigen Schlaf. Alles in einem horcht auf etwas, auf die Welt und das Leben vielleicht.
Wenn ich an solch einem Abend dem Meer näher wohnen würde, ich müsste es wohl sehen oder besser hören gehen, am Strand sitzen, die Knie umschlungen, ab und zu strecken und tief durchatmen, die Nacht einsaugen, die schon dem Novalis mehr als der Tag bedeutete.
Aber ich bin auch nicht mehr so jung, dass ich nicht wüsste, dass mit Erwachen des neuen Morgens eben die Nacht vergeht und ein bisschen Schlaf die Unruhe versinken, ja beinah vergessen lässt, dass man schlaflos das Haus durchwandelte. Und ich bin eben genau so alt, mich darauf zu freuen und nicht mehr den Stimmungen des Augenblicks ohne Aussicht auf Trost und Besserung ausgeliefert, und wenn ich ehrlich bin, freut mich das, so jung möchte ich nicht mehr sein.
Also das Meer und das Schreien der Möwen...

Kommentare:

Blumenmond hat gesagt…

Und ich bin eben genau so alt, mich daruaf zu freuen und nicht mehr den Stimmungen des Augenblicks ohne Aussicht auf Trost und Besserung ausgeliefert, und wenn ich ehrlich bin, freut mich das, so jung möchte ich nicht mehr sein.

Mandy, das spricht mir mal wieder so aus dem Herzen. Ich in meiner platten Art nenne das immer Weisheit des Alters aber aus Deiner Feder liest es sich so wunderschön. Hach... die Poesie für den Morgen für mich.

*Steffi* hat gesagt…

http://www.youtube.com/watch?v=ALrQIW1XGmI
für dich! ...ein bisschen gänsehaut und viel wahrheit...

amandajanus hat gesagt…

Steffi, die Hymne zur Nacht!

juerginskyi hat gesagt…

Das ist großartig, Mandy!

Frollein Holle hat gesagt…

Ach Mandy...ich würd' ja so gerne mal für eine Weile in Deinem Kopf wohnen ;)

juerginskyi hat gesagt…

Noch ein redaktioneller Hinweis, auch wenn´s die Romantik zerstört:
Ist da nicht ein "sind" zuviel drin?
-- da sind die Geheimnisse des Lebens...
so bestimmend sind ... --

amandajanus hat gesagt…

ja Jürgen, ich muss noch mal gucken, ich hab auch schon ein "hätte" gelöscht...naja, ich schreib halt nur so vor mich hin. Da sind noch einige Schnitzer drinn, mal sehen was ich beheben kann.

mandy

amandajanus hat gesagt…

jepp, das 'sind' ist weg und durch ein geliebtes 'und' der Anschluss geschaffen.

in meinem Kopf wohnen...da ist es ganz schön unaufgeräumt...

juerginskyi hat gesagt…

Du schreibst nur so vor dich hin...das solltest du unbedingt beibehalten, wenn sowas unter die Haut Gehendes dabei herauskommt...

amandajanus hat gesagt…

das muss ich wohl auch, denn ich ewiß wirklich nie, was herauskommt, wenn ich das erste Wort schreibe, ich weiß immer nur das nächste und das nächste...

danke Jürgen

Kathrin hat gesagt…

Tolle Gedanken - sehr tiefgründig - sehr schön!