Freitag, Februar 15, 2008

Von mir und dem Kind

Auch wenn ich das komischerweise mit dem Fotofrafieren des dazugehörigen Bauches nicht hinkriege (steht weiter auf der To do-Liste) will ich was zu meinem Baby sagen. Es ist nicht leicht, weil es so Gedankenspiele im Kopf sind, die eben schon sehr persönlich sind und ich bestimmt sinnlos daherplappere. Also was will ich sagen?
Vor allem, dass ich mich freue! Dass ich gespannt bin und dass vor allen Dingen!
Wer mich kennt, weiß, dass der Sommer sozusagen mehr als holprig war. Und doch hat da ein ganz winziges kleines Wesen den Mut gehabt, mich zu wählen. Ich hätte den Mut, dieses Wesen ganz bewusst zu wählen sicher nicht aufgebracht, aber es hat sich da reingeschummelt und
ich habe die Vorstellung, dass es sich eingenistet hat mit dem festen Entschluss, das Plätzchen nicht wieder zu verlassen, bevor die Zeit eben nicht gekommen ist. Naja, das ist sicher bei allen Babys so, bei dem aber besonders, weil es meins ist. Ja und darum bin ich gespannt, wie der Mensch wohl sein wird, der uns als Eltern gewählt hat.
Die Schwangerschaft war und ist einerseits sehr leicht und andererseits war sie davon geprägt, schwierig zu erscheinen.
Zuerst das Wahrnehmen, was ich zunächst gar nicht konnte, es gab so vieles zu sortieren im Kopf, dann das Anerkennen, dass es wohl so ist. Die Freude hier in meinem Zuhause war grenzenlos, es ist die Aufhebung aller Zweifel, die Erfüllung von alten Wünschen, die nur noch nicht alle Beteiligten so erkannt hatten. Das ist wirr ich weiß, aber näher kann ich es nicht beschreiben.

Da ich nicht mehr so ganz ganz jung bin, werden mir alle erdenklichen Unersuchungen angepriesen, die erste nahm ich mit Freude an, Feindiagnostik, toll dachte ich, das wird feines großes Babywatching, ganz ohne Aufklärung und Bedenken ging ich hin und dann stellte sich heraus, dass für den damaligen Entwicklungsstand nicht alles in Ordnung war, also statistisch geschätzt und mit 80%iger Sicherheit konnte man ein erhöhtes Risiko auf Down-Syndrom feststellen, stark erhöht sogar. Was das bedeutete? Irgendwie nichts und irgendwie einiges. Mein Gefühl sagte mir, alles ist ok, der Arzt riet zum Überdenken der Schwangerschaft. Ich habe mich dann ein zweites mal noch viel bewusster für mein Baby entschieden. Klaro... aber es war ein weiterer Holperstein, der den Kopf blockierte und zunächst die Verbindung zum Kind unterbrach. Es folgten darauf viele weitere Untersuchungen, weil auch die Plazenta anfangs komisch lag usw. usw.
Seit Anfang November bin ich im Beschäftigungsverbot, anfangs mit der Auflage zu ruhen, immer zu ruhen. Die nächste Feindiagnostik führte einerseits das Risiko auf Downsyndrom auf ein normales Maß zurück, mit anderen Worten, das Risiko sank von 1:32 auf 1: 1100. Ich lag damit zumindest richtig, nun wurde aber festgestellt, dass der Blutfluss durch die Gebärmutter nicht so läuft wie erwartet und notwendig. Es folgten weitere Untersuchungen sogar in der Charitee. Ja, also dieses Phänomen tritt selten auf und wird mit Blutverdünnung behandelt. Man kann es nicht mehr ändern aber gegensteuern. Risiko ist eigentlich "nur", dass das Kind nicht richtig versorgt wird, vor allem in der Spätschwangerschaft. Nun wird also 14-tägig die Entwicklung überprüft. Ich war einmal sogar bei einer Ärztin, die Worte dafür fand, wie ich mir das vorstellen muss. Es ist so, als lägen in den Blutgefäßen der Gebärmutter Kieselsteine, über die das Blut immer erst rüber muss. Ja und das fand ich dann ein schönes Bild für den ganzen bisherigen Verlauf: es gibt immer Kieselsteine, über die meine Gedanken erst rübermussten um dieses Wunder, ein Baby im Bauch mit Freude anzunehmen.

Aber irgendwie ist es so auch nicht, denn ich freu mich sehr, ich bin sehr schwanger mit Bauch und so, das war ich damals ja nicht, ich habe Atemnot mittlerweile und Spaziergänge über 45 min strengen mich, wenn ich den "Berg" hier im Wald von vielleicht 20 m Höhe hochgegangen bin, dann sitze ich für 5-10 min da und atme einfach. Wie geasgt, sehr schwanger! Und dass, obwohl das Baby selbst sehr klein ist, immer noch ganz unten der Skala...aber eben nur geradeso, jaja der Blutfluss. Ja und nun werden wir sehen, wie es ausgeht. Ich nehme an es wird so:
Bald ist das Baby da und alles ist gut und vergessen! Es wird sicher großartig und verantwortungsvoll. Ich versuche mir oft eine Vorstellung zu machen von dem Kind, aber noch ist es für mich wie in einem Lichtball verborgen, in dem es wahrscheinlich die Welt träumt.

Kommentare:

Kathrin hat gesagt…

Ach mandy, das hast Du einfach großartig geschrieben. Großartig, mehr fällt mir dazu nicht ein. Im Album meiner Tochter habe ich neben dem Foto, daß es gleich nach der Entbindung gab und neben heimlich stibitzten Härchen einen Spruch, den möcht ich Dir schenken:

"Ein neues Licht wird angezündet, ein Stern, der vielleicht ungewöhnlich schön leuchten wird. Kein Mensch ist Wiederholung anderer oder wird selbst je wiederholt werden.Jedes neue Wesen ähnelt den Kometen, die nur ein mal in aller Ewigkeit die Bahn der Erde berühren und eine kurze Zeit ihren leuchtenden Weg über sie hinweg ziehen. Ein phosphorizieren zwischen zwei Ewigkeiten von Finsternis“

M.A. Nexö aus Ditte Menschenkind

Anett hat gesagt…

Ja, Mandy, der Fortschritt der Medizin birgt auch Nachteile. Meine Schwägerin hatte zum Glück einen guten Arzt, der ihr auseinandergesetzt hat, was sie nach solchen Prozent-Ergebnissen denn zu tun gedenkt. Und dann hat sie Abstand davon genommen, vom normalen Ultraschall abgesehen...

Das aber nur am Rande. Ich finde auch, dass du wunderschöne Worte für dein Empfinden gefunden hast. Lebe das sehr schwanger aus und es kommt alles so, wie es sein soll.

Anja Ridlberg hat gesagt…

Mandy, das hast Du wunderbar geschrieben. Es hört sich nach einem extremen Gefühls-Auf-und-Ab an. Wie oft hat man so etwas in der Richtung schon im Freundeskreis erlebt, weil die Medizin heute viele Dinge sieht, die nicht da sind. In ausnahmslos allen Fällen war nachher alles gut.

Aber wir können eben um diese Medizin auch froh sein, weil sonst wüssten wir nicht um die Kieselsteine, die es zu überwinden gilt.

Wünsche Dir noch eine hoffentlich ruhige schwangere Zeit und bin sooo gespannt auf die ersten Fotos.

Scarlett O'Hasi hat gesagt…

Ich möchte auch sagen, dass du das sooo schön geschrieben hast, vor allem dieser eine Satz hat mir riesig gut gefallen: dass du gespannt bist, wie der Mensch wohl sein wird, der euch als Eltern gewählt hat.
Einfach schön.

amandajanus hat gesagt…

Vielen Dank ihr Lieben. Um das schön schreiben mache ich mir ja nie Gedanken, Die Texte sind immer so wie gedacht eingetippt und unkorrigiert, entweder ich ich habe was im Kopf oder nicht. Von daher also: Danke an Euch.
Ich freue mich besonders, dass ihr an mich denkt und euch mit mir freut. Das tut gut! Richtig gut!
mandy

Laufmauselke hat gesagt…

Hallo liebe Mandy, das ist wirklich schön geschrieben. Nun fehlen nur noch schöne Bilder :-)
Ich bin ebenfalls riesig gespannt auf den kleinen Menschen, der sich Euch als Eltern ausgesucht hat :-)
Liebe Grüße von
Laufmaus Elke

michi hat gesagt…

Niemand, mir fällt zumindest niemand ein, hätte das so, in dieser Art, in diese Worte fassen und beschreiben können, wie Du Mandy. Du hast in solchen Dingen eine Dir eigene Art, ist mir schon ein paar Mal aufgefallen, z.B. auch in einem älteren Eintrag zum Thema Rosen.

Manu hat gesagt…

Liebe Mandy,

gestern schon hatte ich Deinen Eintrag gelesen - wollte aber warten, bis ich ein wenig mehr Zeit habe, meine Gedanken dazu aufzuschreiben.
Zunächst mal finde ich auch, dass Du vieles wunderbar ausdrücken kannst. Irgendjemand (war es Phönix?)hat Dich in ihrem Blog mit "Mandys Träumereien" verlinkt - das fand ich sehr passend, weil Deine Art zu schreiben etwas Verträumtes, Versonnenes hat.

Ich wünsche Dir und Deinem Kind noch eine schöne restliche Bauchzeit miteinander, bevor es hinausgeht in die echte Welt.
In der ersten Zeit der Schwangerschaft mit David habe ich mir sehr viele, nicht ganz unbegründete Sorgen gemacht.
Es war ja aufgrund meines Alters wirklich eine Risikoschwangerschaft über 40 steigt das Risiko für Down Syndrom sprunghaft an, aber über 42 explodiert das förmlich!
Ich weiß nicht, was geworden wäre, wenn - aber ich wusste, dass ich es auf jeden Fall wissen wollte. Nicht überrascht oder überrumpelt werden, sondern ggf. seelisch darauf vorbereiten, so gut es geht. Insofern war ich der modernen Diagnostik sehr dankbar, besonders, als es Entwarnung gab.
Im Inneren habe ich es auch trotz aller Ängste gewusst, dass alles in Ordnung ist - und diese innere gewissheit strahlt auch Dein Text aus. Ich glaube, dass Du glückliche Mutter eines gesunden Kindes sein wirst!
Liebe Grüße
Manu

Jörg hat gesagt…

Toll, ich wußte ja gar nicht!
Wünsche dir alles Guten und freu mich für dich.

Jörg

juerginskyi hat gesagt…

Hab das gerade mit angehaltenem Atem durchgelesen. Was Michi sagt, stimmt absolut!! Alles Gute, Mandy...und...!
Jürgen

Martinwalkt hat gesagt…

Helga und ich wünschen dir, deinen Kind und der ganzen Familie alles Gute!

Gruß Martin