Donnerstag, Februar 14, 2013

alles Liebe

Heute schreibe ich.
Es ist jetzt 3 Monate her, dass ich den richtigen Anstoß bekommen habe, wo das Besondere oder andere an meine Vincent liegt.
Im Herbst schrieb ich, dass mich viele Ängste bewegen, ob Vincent eventuell Authismus hat oder wie oder was.
Dass er anders, dass er heftig, kompromisslos reagiert, das weiß ich seit er etwa anderthalb Jahre ist. Aber wie das so ist, man denkt, das verwächst sich. Anstoß zum Handeln war auch gar nicht sein schon auffälliges Sozialverhalten sondern körperliche Defizite. Er kann nicht rennen. Der Gang zum Orthopäden und  die dort verschriebene Therapie in einer Physiotherapie waren nicht nur frustrierend für mich, sondern auch der falsche Ansatz.
Im November aber waren wir bei einer sehr erfahrenen Kinder-Osteopathin, die den richtigen Hinweis gab. Vincent hat Wahrnehmungsstörungen, also Selbstwahrnehmungstörungen. Irgendwie ist das schwieriger zu beschreiben als eine schon fast geläufige Diagnose ADHS oder Authismus.
Wichtig ist aber vor allem, dass wir seit November auch in einer Therapie bei einer wiederum und Gott sei Dank sehr erfahrenen Ergotherapeutin sind.
Einmal die Woche fahren wir nach Potsdam. Es ist ein Glück, dass wir viel von den Großeltern unterstützt werden, allein könnten wir es kaum wuppen. Nach nunmehr 10 Therapiesitzungen hat die Therapeutin einen guten Zugang zu Vincent gefunden, er stört nicht mehr, lässt sich auf die Übungen ein und reagiert zumindest nicht mit Aggressivität. Wann reagiert er denn denn so? Bei Überforderung! Vincent hat sich schon ein feines Karussel aus Selbstüberschätzung, Frustration und Flucht in Aggression zusammengezimmert. Er ist ja nicht doof, dass da Defizite sind, weiß er sehr genau.
Seine also sowieso gestörte Wahrnehmung hat in den letzten Monaten mit einem geradezu explodierenden Körper gekämpft. Ein 4 bis 5 jähriger Junge wurde in den Körper eines 8-Jährigen katapultiert und versucht ihn auszufüllen und zu meistern. Das ist nicht leicht. Es gab viele Rückschritte. Auffällig ist seine extrem schnelle Erschöpfung. Auch diese Erschöpfung kaschiert er gern durch Stören oder wenn es gut läuft, legt er sich einfach kurz mal hin.

Für mich hat sich durch das neue Beobachten meines Kindes die Lage entspannt. Ich kann ihn nun besser so nehmen wie er ist und verstehe auch, dass er in vielen Situationen Schutz braucht. Ich selbst kämpfe mit Verhaltensmustern, die einfach übernommen und anerzogen sind und ermahne, wo ich weiß, dass seine Umwelt sein Verhalten als Frechheit oder Ungezogenheit wertet. Dabei will er nur Kontakt aufnehmen, dass richtige Wie findet er selten und spricht schon mal Leute an, warum sie denn so hässlich aussehen, oder streckt einfach die Hand aus, so dass sie dagegen laufen müssen.

Wir sind also drann! Die körperliche Kräftigung wird mit der Übung kommen und wenn festgezurrte Fehlstellungen des Körpers, die der Wahrnehmungsstörung und dem dadurch schlecht entwickelten Gleichgewichtssinn  zuzuschreiben sind...dann wird er auch rennen. Für 5 Schritte hat er mir schon gezeigt, wie große Jungs das machen.

Ich lese auch andere Erfahrungesberichte und sehe dann, dass es bei anderen Kindern in  auffälligeren Bereichen reinwirkt. Bei uns liegen keine Sprachstörungen vor, er kann prima basteln und schneiden. Handlungsorganisation fällt ihm schwer, aber da kann man helfen. Vom jetzigen Standpunkt ist mit etwa ein Jahr Therapie zu rechnen und dann kommt die Schule.

Kommentare:

Annie hat gesagt…

Ach, Mandy,
Der kleine ernste Vincent, das Baby das nicht lacht.
Ich weiß nicht was ich schreiben soll...außer ich wünsche euch Kraft alle Lebenslagen und eventuelle Hindernisse zu meistern. Du weist ja.....Liebe macht reich.
Fühl dich umarmt.

Hilde hat gesagt…

Toll, das du so offen darüber schreibst :) Ich weiss, wie schwer einem das fällt.

Blumenmond hat gesagt…

Alles Liebe - das sagt jeder Post von Dir über Deine Kinder. Ein Hoch auf das Verständnis und die Therapien, die es heutzutage gibt. Euch viel Kraft und weiterhin viel Liebe.

Pienznaeschen hat gesagt…

Ich mag mich Anja anschlueßen, die Liebe zu Deinen Kindern liest sich immer wunderschön heraus. Dieses auf dem Weg sein und Verstehen, das gibt Kraft um weiter zu gehen ... ich wünsche Euch viel Kraft und Liebe, aber die ist ja eh da.

siebensachen hat gesagt…

alles gute für euch!
geduld und kraft für dich,
ausdauer und erfolg für vincent!

Elisabeth J.-S. hat gesagt…

Liebe Mandy, es ist schön, dass Du den Post geschrieben hast. Ihr geht einen guten Weg, ich weiss Du schaffst das, es wird gut!
Danke, dass Du immernoch bei uns vorbeischaust, ich freu mich, dass ich auch wieder bei Dir mitlesen kann.
ganz liebe Grüsse
Elisabeth

Wiebke T hat gesagt…

ich lese heute das erste mal in deinem blog. Und möchte dir mut machen. meine schwiegertochter ist spezalisiert auf therapie mit kindern, osteopathie,und ich höre immer wieder so viel gutes dazu. ein weiterer tip. ich weiß von anderen entwicklungsgestörten Kindern,wie gut sie auf reiten und kontakt zu pferden ansprechen.vielleicht ein weiterer baustein...liebe anteinehmende grüße wiebke

meiner tochter half ihr eigenes großes gemütliches eigenwilliges Pferd so, stress abzubauen und sich harmonisieren..