Mittwoch, März 07, 2007

Barcelona Marathon - Franks 40 / 10 / 10

40/ 10/ 10 / 3:43xx = Barcelona- Marathon

Da stehe ich nun, morgens um 8:30h mit knapp 7.300 Anderen. Mein Blick geht durch die beiden 47 m hohen Türme am Placa de Espanya. Auf der andere Seite der Stadt erstreckt sich mit 512 m der höchste Punkt der Stadt, der Tibidabo. Gigantisch. Ich frage mich, was ich hier eigentlich mache, andere feiern gemütlich ihren 40igsten Geburtstag und ich warte hier auf den Start meines 10. Marathons. Gemütlich ist anders, denke ich so bei mir.

Da geht es auch schon los. Die ersten 10km sind ein bisschen unruhig, da auch die Läufer der 10 km mit uns gestartet sind. (Km 5/ 23:xx, Km 10/ 24:xx = 47:xx min) Zudem war hier nur das Stadion, Camp Nou (hier spielt Barcelona) erwähnenswert. Kurz vor KM 10 wartet Mandy das Erste Mal auf mich. Drei Mal wollen wir uns heute sehen, so vereinbart. Nun, wo es ein wenig gleichmäßiger wird, kommen mir so einige Gedanken in den Sinn. 40 Jahre….ich lasse mir gerade mal die Zahl 40 auf der Zunge zergehen. Ich denke so zurück…da bin ich als ich 4 Jahre alt bin. Das ist so die Zeit an die ich mich zurück erinnern kann. Ich weiß, mein großer Bruder hatte oben unterm Dach eine Mansarde. Ich weiß auch noch, dass mein anderer Bruder mich mal gegen einen Schrank schubste und ich danach ins Krankenhaus musste. Heute ist er mein bester Freund…..oh, schon Km 15. Ich vergesse die Uhr zu drücken beim Kampf um ne Flasche Wasser (wird aber so um die 25:xx gewesen sein)

Inzwischen ist es schon nett warm- 17/ 18°. Plötzlich eine scharfe rechts Kurve und wir laufen auf die la Sagrada Familia zu. Gänsehaut pur. Mächtig erstreckt sich Gaudis Lebenswerk vor mir. Da kommen mir wieder meine Gedanken…ich sehe mich bei meiner Konfirmation, nur, die Kirche war nicht so groß, wie die von Gaudi. Aber, direkt am Schrevenpark in Kiel wo sich meine Jugend so abspielte. Mein Abenteuerspielplatz….erste Liebe…erste Zigarrette…erster Alkohol = Diskussion mit Papa. Den HM passiere ich bei 1:45.

Da, Mandy bei Km 22. Ich stelle fest, ich habe meine Riegel im Hotel liegen lassen. Sie fragt mich, ob ich Hunger hätte, ich verneine (eigentlich schon, sie soll doch aber nicht noch nach Riegel suchen, in dieser fremden Stadt) Wir laufen eine Schleife und ich sehe Mandy noch einmal. Kurzes „Kuss zu werfen“ und weiter. Danach müssen wir wohl etwas Km machen, auf der einen Seite Schnellstrasse, auf der anderen Hochhäuser. Nicht nur, dass diese scheinbar endlose Gerade sich zieht, nein auch die Lücken der Häuser geben der Sonne jetzt die Möglichkeit uns zu quälen. Die Lärmschutzwand gibt die Hitze pur zurück. Jetzt kann ich mir vorstellen, wie sich mein Frühstückstoast im Toaster fühlt (Km 25 / 26:xx, Km 30/ 26:xx)

Nun laufen wir zwar auf der Strandpromenade, macht aber nicht wirklich Spaß, denn bei dem schönen Wetter spielen die Kinder am Strand (oh, ich will auch!!!) und es gibt Eis. Ich falle in meinem „schlürf Schritt“. Aber, da, ich höre eine Stimme (Christian, unser Trainer hatte es bei den letzten Einheiten auf der Bahn immer erwähnt, als er mich sah) die sagt: „Schultern hoch und locker laufen, und du musst deine Füße lockern“ Ich bin brav und tue dieses. Es hilft!



Gedanken kann ich nun nicht mehr so richtig fassen. Es ist einfach zu warm. Ich freue mich nun sehr auf KM 35, denn da wird Mandy sein. Wir hatten am Abend vorher schon den Arc de Triomf angesehen. Und nun freute ich mich sehr darauf, durch zu laufen. Bei Km 35 (28:xx) war es dann in der Tat ein phantastischer Anblick. Wir laufen durch den Parc de la Ciutadella auf den Arc de Triomf zu. Hier nehme ich mir auch die Zeit ein Stück mit Mandy zu gehen und eine Trinkpause einzulegen. Inzwischen sind so 21/ 22°. Nett warm also. Ich gieße mir noch ne Flasche Wasser über den Kopf und laufe weiter.



Die letzten 7 km führen uns nun zum Glück in die Altstadt, Barri Gotic. Vorbei an der Catedral de Barcelona - wow. Gestern waren wir diese noch besichtigen und oben auf dem Dach. Ja, man kann der Kirche aufs Dach steigen. Dann ein Stückchen noch auf der Rambla, wo mir schwarz vor Augen wird (Km 38). Ich denke kurz ans Aufhören, nehme einen Müsli- Riegel zu mir, trinke einen Schluck und weiter geht es. (Km 40/ 29:xx) Nur noch 2 km denke ich. Das kannst du. Das ist von der Haustür nicht mal bis zum Klausberg. Ich muss trotzdem bei Km 41 noch einmal anhalten und was trinken. Die letzten 2 Km ziehen sich wie Kaugummi und ich stelle fest, ich fange gerade an die Zeit zu denken, wo ich Mandy kennen gelernt habe. Ich sehe Mandy noch mal bei KM 42 und schon laufe ich bei 3:43:xx ins Ziel.

Tja, und nun?

Ich hadere schon lange mit mir, ob ich noch mal einen Marathon laufen soll. Nun, ich muss wohl, denn mir fehlen ja noch die Gedanken der letzten Jahre.

Na, dann
Hasta luego


Frank

Zur Erklärung oben: 40 = 40.Geburtstag, 10 = 10ter Marathon, 10 = seit 10 Jahren laufen und eben 3:43 im Ziel.



Kommentare:

Kathrin hat gesagt…

Wunderschön!!!! Vielen Dank, lieber Frank, für den tollen Bericht, Glückwunsch zum erfolgreichen Marathon, Alles Liebe nachträglich zum 40.... wir müssen unbedingt einen Termin für ein "Auswertungs-Läufchen" finden.

Ganz liebe Grüße, Kathrin

Scarlett O'Hasi hat gesagt…

Ich hadere schon lange mit mir, ob ich noch mal einen Marathon laufen soll. Nun, ich muss wohl, denn mir fehlen ja noch die Gedanken der letzten Jahre.

Wie schön !!
*mir ein Tränchen der Rührung aus den Augen wisch*

Alles Liebe nachträglich zum 40., Frank. Mein Schatz wird dieses Jahr auch vierzig, und er wird an diesem Tag wohl den Athen-Marathon laufen (New York ist auch an dem Tag, aber das war uns zu teuer :)))

Anne hat gesagt…

toll ... toll ... für mehr fehlen mir die worte. ich täts auch ganz gerne 20 Grad haben wollen *dieheißekaffeetasseumklammer*

die allerbesten wünsche ....

RalfF hat gesagt…

Lieber Frank, vielen Dank für den Bericht und alles Gute nachträglich zum Geburtstag. Meine Gedanken bei einem WK beschränken sich ja darauf auf die Frage eine Antwort zu finden: Wie halte ich diese Geschwindigkeit bis zur nächsten Häuserecke/Kilometerschild usw. durch. Um so schöner, wenn du die Strecke und den Lauf genießen konntest. Viele Grüße aus dem sonnendurchfluteten frühlingshaften Norden.

Heidrun und Ralf

Marga Flores hat gesagt…

Ein Marathon in Barcelona - Wahnsinn! Vielleicht schaff ich es auch eines Tages, bislang hat es aber nur für ein Halbmarathon gereicht. Na und was Barcelona angeht, die Stadt ist immer einen Besuch wert. Hier noch ein kleiner Tipp: Wir waren letztes Mal in einem Apartment von Ferienwohnung Barcelona und sind unterm Strich echt zufrieden gewesen.